Gussplatte bronzieren

Kosten einer Klavier- oder Flügelreparatur

Der Preis einer Flügel-Restaurierung lässt sich vorab meist gut abschätzen.

Die Kosten für eine Klavier- oder Flügelreparatur ergeben sich aus den Arbeiten der drei Teilbereiche: Spielwerk restaurieren, akustische Anlage reparieren und Gehäuse instand setzen. Da aber nicht immer eine komplette Flügel-Restaurierung in allen Bereichen gewünscht oder zweckmäßig ist, können die Kosten der Flügel-Restaurierung auch individuell angepasst werden. Die Mechanik-Reparatur setzt sich zusammen aus den Arbeiten an der Mechanik, der Dämpfung und der Klaviatur. Die Akustik-Reparatur gliedern sich in die Teilgebiete akustische Anlage, Gußplatten-Lackierung, sowie Steg- und Stimmstock-Nachbau. Als dritter Anteil können die Restaurierungs-Arbeiten am Piano-Gehäuse betrachtet werden. Die gedankliche Trennung in drei Teilbereiche macht auch praktisch Sinn, insofern die Bereiche oft unterschiedlich priorisiert werden und unterschiedlich altern und verschleißen. Die angegebenen Preise sind gute Richtwerte, die jedoch im Einzelfall abweichen können.

Preislisten:

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Flügel Reparatur Steinway & Sons Model A 188cm

Vorschau Bechstein

Reparatur eines verschandelten Steinway Flügels

Gehäuserekonstruktion, Gussplattenbronzierung und Co.

An Hand dieser Reparatur eines Steinway & Sons Flügels können die typischen Probleme einer früheren, schlecht durchgeführten Reparatur nachvollzogen werden. Egal wie gut eine Reparatur durchgeführt wird, es werden dabei immer einige der ursprünglichen Details verwischt. In diesem Fall wurde im Laufe der Zeit leider sehr viel verändert. Daran sieht man wie wertvoll ein im Original erhaltener Flügel sein kann. Der hier vorgefundene Zustand entspricht leider auch einem typischen Alterungsbild, denn eine solche Modernisierung ist über die Jahre vielen Flügel widerfahren. Zunächst zum Ausgangszustand vor den Arbeiten: Neben dem üblichen Alterungsverschleiß hinsichtlich Stimmhaltung, Resonanzboden-Risse und Beeinträchtigung der Spielbarkeit, sind hier die Gussplattenbronzierung und das Gehäuse sehr mitgenommen.

 

Ausgangszustand vor der Reparatur

Bechstein A 03Auf dem linken Foto sind auf dem zweiten Blick einige interessante Details zu sehen. Die Tastenklappe und das Gehäuse weisen eine andere Furniermaserung auf als das Notenpult, der Deckel und die Beine. Auch passt das Design dieser Komponenten nicht zusammen. Ein typischer Fall von Modernisierung des Gehäuses. Die Eigentümerin dieses Instruments hatte sich zuvor auch andere Reparaturangebote eingeholt und man wollte diesen Flügel noch weiter modernisieren und in ein gerades schwarzes Kunststoffkleid hüllen. Da es sich bei dem Instrument um ein geschätztes Familienerbstück handelt, kam dieser Weg jedoch nicht in Frage. Stattdessen haben wir versucht herauszufinden welches das ursprüngliche Design gewesen sein könnte.

 

Flügel-Akustik reparieren

Bechstein StimmstockWie bei jedem alten Flügel kommt der frische Klang mit der richtigen Behandlung des Resonanzbodens zurück. Bei Steinway-Flügeln gilt dies insbesondere, da diese unverwechselbare Klangdynamik nur bei perfektem Gleichgewicht zwischen Resonanzboden und Mensur funktioniert. Hierzu füllen wir die bei der Wölbung und Trocknung entstandenen Risse ausschließlich mit Holz aus anderen alten Resonanzböden. Nicht nur das Deckfurnier ist aus dem sehr harten Rio-Palisander, auch der Kern dieser Steinway-Raste ist aus sehr massiven Dickten zusammengeleimt. So wird die Energie im gut gespannten Resonanzboden von den Gehäuseseiten gut reflektiert. Steinway hat zu dieser Zeit hohen Wert auf beste Materialien gelegt. Das merkt man auch noch nach 100 Jahren. Darum ist es ausreichend hier den Steg nur zu reinigen, keine Stegrisse müssen repariert werden. Mehr Theorie zur Akustischen-Anlage gibt es im Menü Piano-Blog.

 

Steinway Flügel in Riopalisander

Bechstein A 26

Der Kenner hat vielleicht gleich erkannt, dass der originale Flügel in Rio-Palisander furniert war. Ein unvergleichlich schönes Holz welches heute geschützt ist und hohen Auflagen unterliegt. Die modernisierten Komponenten wurden wahrscheinlich in Santos-Palisander furniert, ein Holz das recht gerade Linien hat. Das dagegen schön geflammte Rio-Palisander kommt nach dem Abschleifen des alten vergilbten Lacks sehr schön zum Vorschein. Aus den übriggebliebenen Spuren am alten Gehäuse haben wir auf ein Design mit einigen geschnitzten Komponenten geschlossen.

 

 

Holzmalerei

Bechstein A 51Früher wurden oft Teile die schwer zu furnieren waren aus Kostengründen imitiert. Diese Kunst eine Holzmaserung einer Holzsorte auf eine andere zu übertragen wurde in vereinfachter Art auch oft bei Flügelbeinen eingesetzt. Mit einiger Mühe ist so möglich ein schlüssiges Gesamtbild zu kreieren. Um es ein bisschen zu vereinfachen, wurden die Beine und auch der übrige Flügel etwas abgedunkelt. So entspricht die Farbwirkung in etwa dem von jungem Rio-Palisander.

 

 

Steinway Gussplatte bronzieren

Bechstein A 26

Eigentlich sind die alten Steinway-Gussplatten meist sehr hochwertig lackiert worden. Doch in diesem Fall wurde in der Vergangenheit die Gussplatte hässlich überlackiert. Wir haben die alte Lackierung bis auf den Asphaltgrund entfernt und anschließend eine traditionelle Bronzierung aufgetragen. Dabei wird eine passende Brozepulvermischung auf eine klebrige dünne Ölschicht gestäubt. Nachdem diese Schicht trocken ist, kann ein transparenter Decklack aufgetragen werden. Im Gegensatz zu einem Bronzepulverlack in dem die Pulver-Flocken diffus verteilt sind, bilden sich auf der klebrigen Ölschicht ein sehr dünner folienartiger Pulverfilm. Das Reflexionsverhalten ist demnach völlig anders. Eine ausführlichere Beschreibung der Bronzierung ist im Piano-Blog zu finden.

 

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Flügel Restaurierung Bechstein A 180cm

Vorschau Bechstein

Restaurierung Flügel Akustik

Resonanzboden, Stimmstock, Gussplatte und Co.

Am Beispiel eines C.Bechstein Flügels werden einige Restaurierungsmaßnahmen genauer beschrieben. Der hier vorgefundene Zustand entspricht in etwa den typischen Alterungserscheinungen vergleichbarer Bechstein Flügel aus dieser Zeit.
Zum Ausgangszustand vor den Arbeiten: Die Stimmhaltung ist stark beeinträchtigt, da das Saitenmaterial geschwächt ist und im Stimmstock einige Risse sind. Risse finden sich auch im Stegdoppel, sodass einige Stegstifte schlechten Halt haben und so klangliche Probleme verursachen können. Die Risse im Resonanzboden sind für gewöhnlich selbst keine klangliche Beeinträchtigung, sondern ein Zeichen für verlorengegangene Spannung.


Demontage Flügel

Bechstein A 03Bei diesem Bechstein Flügel ist der gut erhaltene Zustand zu erkennen. Die Gussplattenlackierung und die anderen Bestandteile der Flügel-Akustik wurden bisher nicht verändert. Die Filzzulagen sind gut erhalten und geben einen Eindruck von der ursprünglichen Färbung. Im Zuge der Demontage bekommt man einen Einblick in etliche Details, sodass erst jetzt der genaue Reparatur-Ablauf geplant werden kann.

 

 

 

Stimmstock restaurieren

Bechstein StimmstockNach dem Entfernen der alten Wirbel, wird eine Bohrschablone angefertigt. Wahlweise können die gerissenen Dickten oder der komplette Stimmstock ausgetauscht werden. Da es sich bei dem Stimmstock um eine massiv beanspruchte Komponente handelt, ist es in der Regel nicht möglich rein auf das alte Material zu setzen. Bei der Stimmstock-Reparatur greifen wir bewusst auf neue Hölzer zurück. Gut abgelagertes Ahornholz ist hier besonders geeignet. Da hierfür früher in Deutschland meist das etwas schlechtere Buchenholz verwendet wurde, können wir selbst mit einem teilweisen Materialaustausch eine dennoch hochwertiges Ergebnis erzielen. Ein ausführlicher Beitrag zum Stimmstock ist hier zu finden.

 

Resonanzboden ausspänen

Bechstein A 26Für die Resonanzboden-Reparatur verwenden wir im Gegensatz zum Stimmstock nur besonders altes Holz. Dieses gewinnen wir aus der Wiederverwertung ähnlich alter Klaviere und Flügel. Durch eine für diesen Arbeitsprozess eingebrachte künstliche Wölbung, sowie einer sehr effektiven Trocknung, entstehen neben den bereits vorhandenen Rissen noch zusätzliche. Werden diese Lücken nun mit dem guten alten Holz gefüllt, kann die vom Erbauer erdachte Geometrie weitgehend wieder hergestellt werden. Da dieser Eingriff den Resonanzboden vorerst noch stärker beschädigt, erscheint dieses Vorgehen zunächst vielleicht etwas destruktiv, ist aber eine unentbehrliche Maßnahme. Denn ohne eine hohe interne Spannung, die so eingebracht werden kann, ist die Funktion des Resonanzbodens zu sehr beeinträchtigt. Zudem hat die Geschichte der letzten 100 Jahre gezeigt, dass viele Risse, die nach anderer Methode gefüllt wurden, nach kurzer Zeit wieder aufreissen. Mehr Theorie zum Resonanzboden gibt es in hier.

 

Steg restaurieren

Bechstein A 51Für die Steg-Reparatur ergibt sich für die Materialwahl ein ähnliches Bild. Es scheint als sei auch hier besonders altes, aus anderen Klavieren stammendes Holz für einen Ersatz besonders geeignet. Jedoch ist es ungleich viel schwieriger ein passendes Stück Buche oder Ahorn, welches zudem im Spiegel geschnitten wurde, aus einem anderen kaputten Klavier zu bergen. Was uns bei Buche und Ahorn gelingt, ist für Buchsbaumholz unmöglich. Hierfür konnten wir zum Glück besonders altes Holz aus Altbeständen bekommen. Im Beispiel dieses Bechstein Flügels wurde der Stegdoppel im Diskant aus Buchsbaumholz und in der Mittellage aus Buchenholz nachgebaut. Eine weitere Bechstein-Besonderheit ist der Einsatz von Messing für die Stegstifte, die sonst üblicherweise aus Stahl gefertigt wurden.

 

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Flügel Rekonstruktion Carl Mand 188cm

Vorschau Carl Mand Flügel

Rekonstruktion eines modernisierten Flügels

Ist der denn noch zu retten?

Auf den ersten Blick scheint dieser Flügel nicht mehr zu retten. Dies bewahrheitet sich auch auf den zweiten und dritten Blick. Insbesondere unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist dies ein aussichtsloses Unterfangen. Was die Augen aber nicht wissen und nur die Ohren vermuten lassen, dass es sich hier um ein sehr seltenes Instrument handelt, welches akustisch so herausragend ist, dass eine Restaurierung des Resonanzbodens und der übrigen Akustik dennoch angestrebt wird. Um den Augen dabei kein allzu großes Opfer abzuverlangen, erfährt das Klaviermöbel eine modelgetreue Rekonstruktion.
Alleine über diesen Flügel könnte ein ganzes Buch geschrieben werden. Da hier jedoch lediglich der Blick für den Weg durch die Bildergalerie geschärft werden soll, folgend ein paar Besonderheiten.

Modernisierte Flügel

Carl Mand 004In den Nachkriegs-Jahren wurden aus Mangel an guten Pianos, viele alte Flügel in ein damals modernes Aussehen gezwängt. In der Regel sind solche Flügel irreparabel verschandelt, da eine Wiederherstellung im Vergleich zu den besser erhaltenen Flügeln wirtschaftlich sinnlos scheint. In diesem Kontrast erkennt man deutlich wie wertvoll (und dies in vielerlei Hinsicht) ein gut erhaltener Flügel ist. Die Qualität einer gut erhaltenen Elfenbein-Klaviatur oder einer schönen Gussplatten-Bronzierung ist mit Geld allein nicht wiederbeschaffbar, denn heute verfügt niemand mehr über das Wissen und die Routine diese Arbeiten in eben genau dieser Machart durchzuführen. Wir haben dahingehen sehr großen Aufwand betrieben, um näherungsweise gleichwertige Ergebnisse zu erzielen. Das Original bleibt dabei zum Glück unübertroffen, auch oder insbesondere weil es zarte Spuren der Geschichte in sich trägt. Ich hoffe so vermitteln zu können wie entscheidend es ist, diese Spuren der Alterung wertzuschätzen und nicht im Sinne einer Renovierung alles in neuem (Plastik)-Glanz erstrahlen zu lassen.

Rekonstruktion des Modell-typischen Designs

Carl Mand 028Auf die Arbeiten am Möbel gehe ich nur kurz ein, der Leser kann sich anhand der zahlreichen Fotos den Arbeitsablauf gut vorstellen. Das Furnier aus der Modernisierung war für eine Schellackpolitur ungeeignet und musste entfernt werden. Die Rekonstruktion der Geometrien und das Deckfurnier wurden in Birnbaum-Holz ausgeführt. Dieses ist seit jeher für die schwarze Schellackpolitur am besten geeignet. Die Schellackgrundierung erfolgte traditionell mit Zugabe von Bimsstein, die Schwarzfärbung unter Beigabe von Nigrosin. Die Unterseite wurde Mand-typisch in Orange ausgeführt wobei anstelle der ursprünglich verwendeten Bleimennige ein synthetisches Pigment verwendet wurde.

Rasten-Schwund

Carl Mand 017Ob man die hier durchgeführten Arbeiten noch als Restaurierung bezeichnen kann, ist streitwürdig. So oder so meinen wir im Sinne des Resonanzbodens gearbeitet zu haben, was sich auch anschließen im charakteristischen Carl-Mand-Klang geäußert hat. Eine gelegentliche Eigenheit bei Carl Mand Flügeln ist die schlechte Verleimung des Resonanzbodens. So kam uns dieser förmlich entgegengesprungen, was sich auch anhand der wenigen Beschädigungen am Bodenlager erkennen lässt.
Der Vorteil: man kann gut an der Raste Arbeiten. Durch Schwund im Holz entstehen Risse und einige Verleimungen lösen sich. Wir nennen dies „Rasten-Schwund“. Durch die fehlende Kraftübertragung an solchen Stellen, kann die Schwingungsenergie schlechter fließen und wird möglicherweise dissipiert. Man sollte daher diese Fehlstellen kraft- und formschlüssig ausbessern.

Resonanzboden restaurieren

Carl Mand 076Der zuvor ausgebaute Resonanzboden konnte hier unter erzwungener Wölbung eingesetzt werden. Ein Großteil des Resonanzboden-Schwunds liegt nun so auf dem Bodenlager und muss nicht allein durch ausspänen kompensiert werden. Da der Resonanzboden vormals überarbeitet wurde, wollten wir alle Überreste von Weißleim und „neuen-alten“ Spänen entfernt wissen. Unsere Späne sind grundsätzlich aus andern alten Resonanzböden und für die Verleimung verwenden wir ausschließlich organische Leime, die kristallin austrocknen und reversibel sind. Mehr Theorie zum Resonanzboden gibt es in hier.

Elfenbein Klaviatur

Carl Mand 057Die modernisierten Kunststoff-Tasten-Beläge lösten sich fast von selbst. Übrig blieb eine verschandelte Taste mit schwerlöslichem Klebstoff. Erst nach gründlichem Wiederherstellen einer schönen Geometrie mit sauberen Flanken können die Tasten mit Elfenbein belegt werden. Das ethisch problematische Material gewinnen wir auch aus der Wiederverwertung alter ausrangierter Klaviere. Nicht nur, dass es sehr teuer ist neues lizensiertes Elfenbein aus Altbeständen zu beziehen, es hat auch einen anderen Schliff. Mit viel Mühe ist es möglich, das Elfenbein von einer alten Klaviatur auf eine andere zu übertragen. Es geht dabei nicht unbedingt darum, dass niemand merken soll, dass der neue Tasten-Belag nicht original ist, sondern er soll nicht vordergründig wahrgenommen werden. Der Geist und die Finger dürfen sich voll auf die Musik konzentrieren.

 

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